Theater und Schauspielerei

Theater und Schauspielerei sind untrennbar mit unserem kulturellen Leben verbunden. Jede große Stadt hat ihre Schauspielhäuser und Theater. Gehen wir ins Theater, entscheiden wir, in welche Wunschwelt wir versinken möchten. Die Schauspielerei bietet uns im günstigsten Fall Lösungen für primäre Themen des alltäglichen Lebens. Den Fernsehfilm wissen wir deshalb zu schätzen, weil wir uns zum Teil mit den gezeigten Rollen identifizieren. Er vermittelt uns, wir sind nicht allein.

Warum wird jemand Theaterschauspieler?
Der Theaterschauspieler unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von den Schauspielern im Fernsehfilm. Wer eine Rolle am Theater annimmt, liebt die Öffentlichkeit. Er darf live sein Publikum fesseln, hat dazu nur einen Versuch. Wenn ihm dies gelingt, bedeutet es Erfolg. Im Theater verkörpern die Darsteller große Rollen. Ob es der historische Held ist oder der moderne Provokant, die Charaktere der gespielten Personen müssen sofort glaubwürdig rüberkommen, damit das anspruchsvolle Theaterpublikum sich nicht langweilt und sich in die Situation der gespielten Szenen hineinversetzen kann.

Der Filmschauspieler – Dreh ohne Publikum
Im Gegensatz zum Theaterschauspieler, übt der Filmschauspieler im Hintergrund seine Rolle aus, sieht nicht die Reaktion seines späteren Publikums. Auch der Filmschauspieler benötigt Charisma und Identifikationsmerkmale, nach denen er ausgewählt wird. Die Auswahl trifft eine Casting-Agentur gemeinsam mit dem Regisseur. Schon bei der kleinsten Unstimmigkeit fällt der Filmschauspieler durchs Raster. So muss beispielsweise die Karrierefrau optisch perfekt aussehen, wird meist groß, schlank und selbstbewusst präsentiert, weil der Zuschauer es so erwartet. Der Polizist wird, je nach Serie, als draufgängerischer Macho oder als gemütlicher Landpolizist gezeigt. Das Fernsehpublikum entscheidet, wen es sehen will. Während der Dreharbeiten kann der Filmschauspieler bei Nichtgefallen die Szene wiederholen.

Einzigartigkeit und Gewohnheit
Das Theaterschauspiel stellt für sein Publikum ein besonderes Ereignis dar. Der Theaterbesucher ist anspruchsvoll. Ein gutes Theaterstück bedeutet für den Zuschauer auch ein interessantes Gesprächsthema. Ein gelungener Theaterabend bleibt länger im Gespräch als eine Daily Soap im Fernsehen, weil diese zum Alltag des Zuschauers und damit zu seinen lieb gewonnenen Gewohnheiten gehört. Im Theater fühlt sich der Zuschauer mit den Darstellern verbunden. Beide befinden sich im selben Raum, erleben das Theaterstück gemeinsam und fühlen die Nähe. Die Schauspielerei im Fernsehen hat zwar einen großen Unterhaltungswert, doch die Darsteller bleiben für ihr Publikum abstrakte Personen.

Wie treffen die Schauspieler ihre Entscheidungen?
Ob ein Schauspieler sich mehr zum Theater oder zum Fernsehfilm hingezogen fühlt hängt stark von seiner Persönlichkeit ab. Nicht jeder Schauspieler braucht die Öffentlichkeit und fühlt sich im Film wohler als auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Einige Darsteller sind in beiden Szenen zuhause.