Vielseitiges Theater

Die Geschichte des Theaters ist fast so alt wie die der Menschheit selbst, und so ist es kein Wunder, dass viele Stücke, die heute noch immer wieder mit großem Erfolg gespielt werden, aus vergangenen Epochen stammen.

Im deutschen Sprachraum sind natürlich die Werke „unserer“ Dichter und Denker ein fester Bestandteil jeder Theatersaison, und wer die deutschen Klassiker auf dem Spielplan entdeckt, sollte sie sich auf keinen Fall entgehen lassen. Als berühmtestes Stück überhaupt denkt da wohl jeder an Goethes Faust, den viele einmal in der Schule lesen mussten, aber das ist natürlich kein Vergleich zu einer Aufführung im Theatersaal, bei der die Darsteller den Figuren erst das richtige Leben einhauchen. Wer sich den Faust im Theater ansieht, wird feststellen, dass so viele Redewendungen aus dem Stück in unsere Umgangssprache eingeflossen sind, dass man schon gar nicht mehr weiß, wer zuerst da war: das Sprichwort oder das Drama.

Aber auch Goethes Zeitgenosse Friedrich Schiller, den eine enge Freundschaft mit Goethe verband, hat unvergessliche Stücke hinterlassen wie „Die Räuber“ oder „Kabale und Liebe“. Diese Stücke kombinieren eine wundervolle Sprache mit zeitlosen Themen des Erwachsenwerdens, die für junge Menschen heute genau so brisant sind wie damals: den eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden, sich gegenüber den eigenen Eltern zu emanzipieren und natürlich die große Liebe zu finden.

Auch amerikanische und russische Dramatiker verdienen einen festen Stammplatz auf den Spielplänen. Theaterdichter beider Länder haben sich jeweils aus ihrem Blickwinkel immer wieder sozialen Missständen genähert, was heute noch zu kontroversen und spannenden Diskussionen im Foyer anregt. Besonders herausragend sind da Stücke wie „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck oder das „Nachtasyl“ von Maxim Gorki auf russischer Seite. Beide Stücke handeln vom Elend der arbeitenden Bevölkerung.

Wer es weniger schwermütig, dramatisch oder politisch mag, sollte sich den Komödien zuwenden. Das französische Theater hat mit Dichtern wie Moliere und seinem eingebildeten Kranken viele nachfolgende Komödien geprägt. Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais Komödie „Der tolle Tag und die Hochzeit des Figaro“, die 1784 uraufgeführt wurde, hat sogar die Vorlage zur weltberühmten Mozart-Oper „Figaros Hochzeit“ geliefert.

Auch von den britischen Inseln sind zeitlos komische Stücke aus dem Komödienfach gekommen. Allen voran Oscar Wilde, der wegen seines nach damaligen Vorstellungen unmoralischen Lebenswandels zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde und verarmt und gebrochen im Exil starb, hat unsterbliche Komödien hinterlassen, die vor intelligentem Witz und Satire nur so sprühen.