Vom Theater zum Musical

Im Musicaltheater wird man für eine Produktion angestellt, die jahrelang über die Bühne geht. Im Theater wäre man mit mehreren Produktionen pro Spielzeit mit abwechslungsreicheren Tätigkeiten konfrontiert. Man spielt im Theater je Spielzeit ein bestimmtes Repertoire. Stattdessen engagiert das Musicaltheater einen für den En-Suite-Spielbetrieb. Das komplette Produktionsteam wird für nur eine Produktion verpflichtet, die Darsteller nach einem Casting ausgewählt. Musicaltheater werden für jede Produktion neu angemietet, während Theater ihren festen Standort haben. Falls ein Musical nach erfolgreichen Jahren den Standort wechselt – beispielsweise von London nach Hamburg – wird das komplette Team ausgetauscht. Während des Musicalbooms wurden zum Teil neue Spielstätten errichtet, in denen Musicals inszeniert wurden. Schließlich verfügt nicht jede Stadt über freie Theater, die groß genug für eine Musicalproduktion wären.

Der Beruf des Musicaldarstellers wird heutzutage als eigenständiger Beruf angesehen und von dem des Schauspielers unterschieden. Bei Schauspielern sind zwar gelegentlich Fechtkünste, Gesangs- oder Tanzeinlagen gefragt. Beim Musicaldarsteller sind hervorragende Gesangskünste, darstellerische Präsenz und tänzerisches Können unverzichtbar. Beim Casting werden daher nur die besten ausgewählt. Beide Berufsfelder sind anspruchsvoll. Im Musical ist es üblich, Tänzer und Sänger aus verschiedenen Ländern zu engagieren, weil es bei uns zu wenig Musicaldarsteller mit Weltniveau gäbe. Multikulti ist auch dem Theater nicht mehr fremd. Aber die Bühnensprache ist immer Deutsch und muss entsprechend gut beherrscht werden. Um problemlos vom Theater zum Musical oder vom Musical zum Theater zu wechseln, bedarf es einiger Fertigkeiten, die das Gros der deutschen Darsteller nicht hat. Nicht jeder möchte außerdem sieben Tage in der Woche immer wieder dasselbe Stück spielen – über mehrere Jahre hinweg. In der Regel haben alle Musicals zwei Besetzungen, so dass einzelne Darsteller auch mal pausieren können. Das jahrelange Engagement bindet einen allerdings lange an die Produktionsstätte und verhindert, dass man ein gutes Filmangebot annehmen könnte. Trotzdem wagen zahlreiche Musicaldarsteller den Sprung ans Theater und umgekehrt.

Beide Berufe verlangen einem Disziplin und Durchhaltevermögen ab. Im Musical sind harte Probenarbeit, tägliches Fitnesstraining und hohes Engagement nötig, um eine Produktion durchzuhalten. Im Gegensatz dazu kann ein Schauspieler nach einer Spielzeit ein neues Stück einproben und genießt mehr Abwechslung. Die Gagen dürften sich allerdings erheblich unterscheiden.